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Joomla vs. Prismic CMS - Ein detaillierter Praxis-Vergleich

FeichtMedia Blog Joomla vs. Prismic CMS

Vor einiger Zeit haben wir einen Artikel über Headless Content-Management-Systeme veröffentlicht und darin deren Vorteile beschrieben. Aber funktioniert das auch so in der Praxis? Diese Frage beantworten wir in unserem Praxis-Vergleich von “Joomla” und dem Headless CMS "Prismic".

Zuallererst sei gesagt, dass sich beide Systeme sehr gut dazu eignen Websites und andere digitale Angebote zu pflegen. Jedes CMS hat seine Vorteile, aber auch Nachteile. Welche das sind, dazu weiter unten im Artikel mehr.

Beide Systeme vergleichen wir ohne Installation von Erweiterungen, in ihrer Standardausführung. Und das sind die Hauptkategorien in unserem Praxis-Vergleich von Joomla und Prismic CMS:

  1. Anbieter und Support
  2. Beitragsverwaltung
  3. Bilder, Dokumente und Medien
  4. Individualisierbarkeit
  5. Erweiterungsmöglichkeiten
  6. Benutzer, Benutzergruppen und Rollen
  7. Hosting
  8. Kosten

Anbieter und Support

Das Open Source Content-Management-System “Joomla” ist ein komplettes Community-Produkt. Es wird seit 2005 kostenlos unter der GNU General Public Licence angeboten und laufend weiterentwickelt. Mit einem Marktanteil von rund 5% zählt es zu den 10 beliebtesten CMS.

Das CMS “Prismic” zählt zu den Headless Content-Management-Systemen und wird als SaaS-Lösung vom gleichnamigen französischen Unternehmen angeboten. Es ist in mehreren Varianten, beginnend mit der “Community-Edition” erhältlich. Je nach Paket kommen weitere Funktionen hinsichtlich Nutzerverwaltung, Ausfallsicherheit und Support hinzu.

Der Support bei Joomla ist ausschließlich durch die Community. Bei Prismic ab der “Medium”-Edition durch den Anbieter.

Beitragsverwaltung

Der wohl wichtigste Bestandteil und Hauptgrund für die Nutzung eines CMS ist die Verwaltung von Inhalten. Deshalb legen wir hierauf auch ein besonderes Augenmerk.

Joomla kommt hier mit einer Standardoberfläche zur Beitragsverwaltung. Darin enthalten sind neben den Standard-Eingabefeldern u. A. ein WYSIWYG-Editor (What-You-See-Is-What-You-Editor). Mit zusätzliche “Eigenen Feldern” können noch weitere Inhaltsfelder ergänzt werden. Somit lassen sich auch in einem gewissen Maß eigene Eingabemasken erstellen.

Prismic ist nach der Registrierung erst einmal komplett blank. Ohne Eingabemasken oder Inhaltstypen. So wie jedes andere Headless CMS. Das ist aber auch der Grundgedanke von einem Headless CMS.

Aus diesem Grund beinhaltet Prismic eine Reihe von verschiedenen Eingabe- und Auswahlfeldern. Daraus können dann eigene Inhaltstypen für z.B. Blog-Beiträge oder Team-Mitglieder erstellt werden.

In unserem Praxis-Vergleich geht der Punkt in dieser Kategorie an Prismic, da die Flexibilität der eigenen Inhaltstypen überwiegt.

Prismic Writing Room
Prismic Writing Room (Bild: Prismic)

Bilder, Dokumente und Medien

Beide CMS haben eine integrierte Dateiverwaltung, mit der Bilder, Dokumente und Medien verwaltet werden können. Eine Bearbeitungsfunktion hat keines der beiden Systeme.

Bei Joomla ist der Medien-Manager in erster Linie für Bilder ausgelegt, kann aber auch für Dokumente oder kleiner Videos verwendet werden. Zusätzlich können Verzeichnisse, um die Dateien zu sortieren und gruppieren, erstellt werden.

In Prismic gibt es leider nicht die Möglichkeit, Ordner zu erstellen. Allerdings können dafür bei jeder Datei direkt ein Alternativ-Text, Copyright-Infos und eine Beschreibung hinterlegt werden. Zudem ist es in den Inhaltstypen möglich, Bilder automatisch über die integrierte Bildoptimierung in verschiedenen Auflösungen auszugeben. Das bietet vor allem im Responsive Webdesign einen großen Vorteil.

Wie wir die serverseitige und dynamische Bildoptimierung in Joomla integriert haben, erfährst du im Projekt “Website Relaunch Realschule Fürstenfeldbruck”.

Ab der neuen Version 4 von Joomla gibt es auch dort einen neuen Medien-Manager. Bleibt also abzuwarten, wie sich dieser in der Praxis bewährt.

In unserem Vergleich hat aber Prismic momentan in der Kategorie “Bilder, Dokumente und Medien” die Nase vorne.

Individualisierbarkeit

In dieser Kategorie lässt sich ein Resultat aus den vorangegangenen Punkten ziehen.

Da wir die Content-Management-Systeme in ihrer Standardausführung vergleichen bekommt ganz klar Prismic in dieser Kategorie einen Punkt.

Der Grund ist, dass Joomla standardmäßig schon ein gewisses Grundgerüst mitbringt, welches dann an die Website angepasst werden muss.

In Prismic kann von Grund auf, eine komplett auf die Website abgestimmte Oberfläche erstellt werden.

Prismic Custom Types
Prismic Custom Types (Bild: Prismic)

Erweiterungsmöglichkeiten

Wie wir es von den Community-Systemen Joomla, WordPress und Co. gewohnt sind, gibt es dort die Möglichkeit Erweiterungen zu installieren. Damit kann der Funktionsumfang des Systems erweitert und an die eigenen Anforderungen angepasst werden.

Zwar ist die Anzahl der verfügbaren Erweiterungen für Joomla geringer als bei WordPress, jedoch immer noch sehr groß. Installiert werden können Erweiterung von Texteditoren, über Dokumentenverwaltung, bis hin zur Performance-Optimierung.

Bei Prismic gibt es momentan keine Möglichkeit, Erweiterungen zu installieren. Aus unserer Sicht ist dies aber auch nicht nötig, da die eigenen Inhaltstypen, welche komplett an die Anforderungen angepasst werden können, alles abdecken.

Trotzdem geht hier der Punkt an Joomla, da hier die Erweiterung möglich ist.

Benutzer, Benutzergruppen und Rollen

Bei beiden Content-Management-Systemen gibt es die Möglichkeit mehrere Benutzer und Gruppen mit verschiedenen Rollen anzulegen.

In Joomla können die Rollen den installierten Erweiterungen angepasst und damit Berechtigungen dafür eingeschränkt werden. Da es bei Prismic aber ohnehin nicht möglich ist, Erweiterungen zu nutzen, ist diese Funktion dort auch nicht notwendig.

Aus unserer Sicht sind hier Joomla und Prismic im Praxis-Vergleich gleich auf.

Joomla Zugriffskontrolle
Joomla Zugriffskontrolle

Hosting

Bei Joomla gibt es zwar die Möglichkeit auf ein sog. “Managed Hosting” zurückzugreifen, bei dem das CMS komplett durch den Anbieter gehostet wird und man lediglich den Back-End-Zugang erhält.

Aus unserer Sicht ist das aber nicht wirklich sinnvoll, da das nicht der Grundgedanke eines Open Source Systems ist. Deshalb gehen wir in unserem Praxis-Vergleich von einer selbstgehosteten Version aus.

Hierfür wird ein Shared-Hosting-Paket oder ein eigener Webserver mit PHP und einer Datenbank benötigt. Die Preise hierbei starten, je nach Anbieter, bei ca. 10€ pro Monat.

Ganz anders sieht es bei Prismic aus: Hier wird das CMS als SaaS-Lösung angeboten und ausschließlich durch den Anbieter bereitgestellt. Da es in unserem Vergleich nur um das CMS an sich geht, gehe ich auf das Front-End an dieser Stelle nicht ein.

Möchte man beide Systeme in einem größeren Cluster mit erhöhter Ausfallsicherheit bereitstellen, ist Prismic wahrscheinlich besser geeignet. Denn bei der Nutzung von Joomla sind mehrere Webserver, ein Load Balancer und eine hochverfügbare Datenbank nötig, welche relativ kostspielig sind. Prismic ist als SaaS-Lösung bereits dementsprechend optimiert.

Kosten

Joomla wird als Community-Produkt kostenlos und als Open Source Lösung angeboten.

Bei Prismic handelt es sich um eine SaaS-Lösung, welche in einer Basis-Variante kostenlos erhältlich ist. Möchte man Support, besonders hohe Ausfallsicherheit und die Benutzerverwaltung als Features dazu, muss man aber auf einen Premium-Plan zurückgreifen. Diese kosten ca. 100€-500€ pro Monat (bei jährlicher Abrechnung).

Möchten man Joomla allerdings auch in einer hochverfügbaren Umgebung bereitstellen und für eine große Anzahl gleichzeitiger Zugriffe optimieren, steigen dabei die Hosting-Kosten ebenfalls.

Aus dieser Sicht ergibt sich in Sachen Hosting und Kosten ein Unentschieden zwischen den beiden Content-Management-Systemen.

Fazit

In unserem Vergleich haben wir die beiden Systeme mit unserer Erfahrung damit und den Fakten verglichen. Letztendlich ist es aber immer abhängig vom Endprodukt, für das das CMS verwendet werden soll, welche Lösung hier die bessere ist.

Du willst eine Website oder ein digitales Produkt umsetzen, aber weist nicht welches System, das richtige für dich ist. Wir beraten dich gerne: Schreibe uns einfache eine Nachricht.

Wann solltest du Joomla nutzen?

Möchtest du eine Corporate Website erstellen, bei der alle Seiten komplett unterschiedlich aufgebaut sind und du möglichst wenig selbst entwickeln willst, ist Joomla wahrscheinlich die bessere Wahl für dich.

Mit der Installation von zusätzlichen Erweiterungen lassen sich hiermit in den meisten Fällen gute Ergebnisse erzielen, die einfach zu pflegen und warten sind.

Weitere Informationen zu Joomla findest du hier.

Wann solltest du Prismic nutzen?

Wenn du nicht nur eine Website, sondern auch ein Produkt mit mehreren Endpunkten wie z.B. einer App erstellen willst, ist Prismic die bessere Wahl.

Aber auch, wenn dein Front-End komplett individuell entwickelt und bereitgestellt werden soll, ist Prismic besser geeignet als Joomla. Denn durch die Verwendung von GraphQL als Query-Language werden dir viele Möglichkeiten geschaffen ein modernes Produkt zu erstellen.

Die individuell anpassbaren Inhaltstypen helfen dir zudem dabei, den Bereich für Redakteure einfach zu halten und gleichzeitig sehr flexibel zu sein. 

Weitere Informationen zu Prismic findest du hier.